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Josef Guntermann

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Josef Guntermann um 1898
Josef Guntermann
Geboren am 1856/04/07
Geboren in Assinghausen
Gelebt in München
Gestorben am 1932/10/08
Gestorben in München

 

Biografische Daten
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07. April 1856         geboren in Assinghausen. Eltern:  Handelsmann und Ackerwirt Johann Joseph Guntermann und Maria Regina geb. Körner

1871                       Beginn einer drejährigen kaufmännischen Ausbildung

1878                       Beginn seiner künstlerischen Karriere mit dem Kreuzweg in der Pfarrkirche St. Nikolaus in Rumbeck

1885                       Übersiedelung nach München

Juni 1926               Ernennung zum Ritter des Ordens vom Heiligen Gregorius durch Papst Pius XI.

05.Oktober 1932    gestorben nach langer Krankheit in einem Münchener Krankenhaus


Leben[Bearbeiten]

Joseph Guntermann wurde am 7. April 1856 in Assinghausen in der Solstätte „Cosmans“, heute Straße „Zum Küsterland 7“, geboren. Seine Eltern waren der Handelsmann und Ackerwirt Johann Joseph Guntermann und Maria Regina Körner, die wahrscheinlich aus Elleringhausen stammte. Er hatte noch zwei Schwestern,
und zwar Maria Elisabeth (1858 – 1929) und Maria Theresia (1861 – 1863).

Schon sehr früh zeigte sich bei ihm eine außergewöhnliche Freude am Zeichnen. Mit 15 Jahren begann er eine Kaufmannslehre, während der er auch nach Berlin und Dresden kam und damit seinen Horizont auf dem Kunstsektor erweitern konnte. Seine freie Zeit verbrachte er im Wesentlichen mit Zeichnen und Malen.

Nach dem Abschluss seiner dreijährigen Ausbildung fasste er den Entschluss, Maler zu werden. Der Plan, die Akademie in Düsseldorf zu besuchen, scheiterte jedoch wegen der Überfüllung der unteren Klassen. Somit blieb Joseph Guntermann nichts anderes übrig, als das angestrebte Ziel außerhalb des akademischen Werdeganges zu suchen.
Dies führte ihn zu verschiedenen Kirchenmalern und Wirkungsstätten, was den großen Vorteil mit sich brachte, dass er mit allen Techniken und Kniffen konfrontiert wurde, die in der Raummalerei von Bedeutung waren.
Von besonderer Bedeutung war für ihn die Ausbildung bei den Meistern der Beuroner Schule, den Benediktinerpatres Desiderius Lenz und Gabriel Wüger. Mit diesen arbeitete er zwischen 1880 und 1885 fünf Jahre lang bei der Restaurierung der Benediktinerabtei Emaus in Prag zusammen und lernte dabei, den Blick auf das Wesentliche in der Monumentalkunst zu richten.
Im Herbst 1881 kam er vorübergehend nach München, wo er seit Februar 1885 praktisch seine dauernde Heimstätte fand. Hier befasste er sich intensiv mit dem Stil der Nazarener.
Während seiner Jugend war der Lehrer Josef Grimme, ein Neffe des Dichters Friedrich-Wilhelm Grimme, ein besonderer Förderer von Joseph Guntermann. Aufgrund seiner Anregungen entstanden als erster selbständiger Versuch die Federzeichnungen für einen Kreuzweg, die den Beifall des Pfarrers Behrens aus Rumbeck bei Arnsberg fanden und den dieser dann auch in den Jahren 1878 und 1879 ausführen ließ.
Damit war das Erstlingswerk des damals 22jährigen Joseph Guntermann geschaffen, das heute noch in der Pfarrkirche St. Nikolaus in Rumbeck zu sehen ist.
Zunächst einmal ist anzusprechen, woher er seine Motive genommen hat. Eine Kunstzeitschrift zu abonnieren, war zur damaligen Zeit nicht möglich. Es standen ihm wahrscheinlich im Wesentlichen nur die katholischen Unterrichts- und Erbauungsbücher zur Verfügung, die zu seiner Jugendzeit in einigen Familien anzutreffen waren. Die vielen Illustrationen in Form von Holzschnitten werden Joseph Guntermann mit hoher Wahrscheinlichkeit inspiriert haben, denn seine Kreuzweg-Stationsbilder entsprechen in vollem Umfang dem in diesen Büchern gebräuchlichen Stil. Diesen Stil hat er letztendlich während seines ganzen Lebens beibehalten. Er entspricht dem Nazarener-Stil.

Nach der Zeitschrift „Die christliche Kunst“ liegt das besondere Verdienst von Joseph Guntermann darin, dass er den Figuren seiner Raumgemälde erstmalig Gesichter verlieh, mit denen sich der Betrachter identifizieren konnte. Gesichter, die nicht provozieren, die ernst und in sich gekehrt und einfach menschlich sind und zu denen, wie oben bereits gesagt, auch das „kunstfremde Laienpublikum in Verständnis die Hände zum Gebet zu erheben vermag“. Ein lachendes oder auch nur lächelndes Gesicht wird man allerdings vergeblich suchen. Dies gilt jedoch nicht für die Christus-Darstellungen. Die Christusfiguren weisen regelmäßig ernste
und ins Mystische gehende Gesichter auf. In der Zeitschrift wird das so ausgedrückt: „Immer weiß der Künstler seiner Christusfigur einen individuellen Zug zu leihen, lyrisch zu empfinden und mit dem Typischen den Zug des Zartinnigen zu vereinigen“.
Eine weitere Besonderheit Joseph Guntermanns war seine Ansicht, dass Farben am besten zur Geltung kommen, wenn sie sich vor einem goldfarbenen Hintergrund befinden. So hat er keine Mühen und Kosten gescheut, diese Ansicht in die Tat umzusetzen. Wie die Münchener Zeitung vom 8. Oktober 1932 in einem Nachruf vermeldete, habe er im Zusammenhang mit der Gestaltung der Einsegnungshalle auf dem Münchener Ostfriedhof aus seinem Vermögen etwa 4.000 Mark bei einem Gesamtvolumen von 30.000 Mark beigesteuert, um die Vergoldungen in echtem Material ausführen zu können.

Joseph Guntermann starb am 5. Oktober 1932 in München in recht ärmlichen Verhältnissen. Seine Ersparnisse, die er im Verlaufe seines Lebens angesammelt hatte und mit denen er sich zumindest zeitweise den Bau eines kleinen Hauses in Assinghausen erhofft hatte, waren durch die Inflation in den 20iger Jahren vernichtet worden.
In „seiner“ Einsegnungshalle wurden am 8. Oktober 1932 die Trauerfeierlichkeiten abgehalten. Auf dem Ostfriedhof erhielt er auch sein Grab, dessen Grabmal eine Büste zierte. Dieses Grab wurde 1964 eingeebnet.


Guntermann Josef - Haupt des Erlösers.jpg
Guntermann Josef - Ernennungsurkunde zum Ritter des Ordens vom heiligen Georgius.jpg
Guntermann Josef - Grab in München.jpg
Haupt des Erlösers Ernennungsurkunde zum Ritter des Ordens vom Heiligen Gregorius Grabmal auf dem Ostfriedhof in München. Das Grab wurde 1964 eingeebnet





Werke[Bearbeiten]

1878   Kreuzweg in der Pfarrkirche St. Nikolaus in Rumbeck[Bearbeiten]

1880-1885 Restaurierung der Abteikirche und des Klosters in der Abteikirche Emaus in Prag mit der Beuroner Schule[Bearbeiten]

1882   Kreuzweg in der Pfarrkirche St. Katharina in Assinghausen[Bearbeiten]

Guntermann Josef - XI. Kreuzwegstation Assinghausen.jpg
XI. Station des Kreuzweges


















1896-1900 Ausmalung der Kuppel der Aussegnungshalle auf dem Münchener Ostfriedhof[Bearbeiten]

Die Aussegnungshalle war ein Werk des Münchener Architekten Geh. Baurat Prof. Dr. Gräßl. Es war ein Rundbau, der von einer Kuppel mit dem Durchmesser 20 m und der Höhe 12 m überdeckt war.
Der Ausmalung war ein Wettbewerb voran gegangen, an dem sich 15 Künstler beteiligt hatten. Diese hatten am 1. Juli 1896 ihre Entwürfe eingereicht. Die Preisvergabe war am 3. Juli. Guntermann erhielt mit noch zwei weiteren Künstlern den mit 500 Mark dotierten 2. Preis. Was wohl letztlich entscheidend für die Auftragsvergabe war, war der Umstand, dass Guntermann eine 2 m hohe Miniaturkuppel als Entwurfsmodell mitgeliefert hatte, in der er in seiner filigranen Technik die Ausführung vorweg genommen hatte. Diese Miniaturkuppel überzeugte das Preisgericht, und so erhielt er am 5. Juli 1896 den Auftrag.  Mehr als 250 zum Teil 3 m große Gestalten wurden in der Kuppel dargestellt. Die Gesamtfläche betrug 628 Quadratmeter.
Für die mehr als vierjährige Arbeit, bei der er für die ornamentalen Teile mehrere Gehilfen beschäftigte, erhielt er ein Honorar von 30.000 Mark. Dies war das berühmteste Werk von Guntermann, es fiel allerdings1944 einem Bombenangriff zum Opfer.


Guntermann Josef - Kuppelgemälde Aussegnungshalle Ostfriedhof München 01.jpg
Guntermann Josef - Kuppelgemälde Aussegnungshalle Ostfriedhof München 02.jpg
Kuppelgemälde gegen Nordosten Kuppelgemälde gegen Südwesten

Weitere Informationen[Bearbeiten]

Haaben, Klaus - Der Kirchenmaler Josef Guntermann und seine Beziehungen zu seinem Heimatdorf Assinghausen

Haaben, Klaus - Kreuzwege des Kirchenmalers Josef Guntermann

Haaben, Klaus - Die Guntermann Kreuzwege von Rumbeck und Assinghausen

Haaben, Klaus - Die schönste Leichenhalle Deutschlands


Weblinks[Bearbeiten]

Aktion Kreuzweg Assinghausen e.V.